{"id":1849,"date":"2017-12-15T16:18:43","date_gmt":"2017-12-15T14:18:43","guid":{"rendered":"http:\/\/no-fracking-wendland.de\/?p=1849"},"modified":"2017-12-15T16:18:43","modified_gmt":"2017-12-15T14:18:43","slug":"globaler-gas-lock-in-widerstand-in-nord-und-sued-vernetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/erdgas-erdoel-fracking-wendland.de\/?p=1849","title":{"rendered":"Globaler Gas Lock-In: Widerstand in Nord und S\u00fcd vernetzen"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Bericht der internationalen Konferenz | 21.-23. September 2017, Br\u00fcssel<\/strong><\/h2>\n<div class=\"document-section__main\">\n<div class=\"l-container\">\n<div class=\"l-column l-column--large l-column--justify\">\n<div>\n<p>Ende September 2017 richtete das Br\u00fcsseler B\u00fcro der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine dreit\u00e4gige Konferenz mit dem Titel <a class=\"external-link-new-window\" title=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/veranstaltungen\/eventdetail\/event\/globaler-gas-lock-in-widerstand-in-nord-und-sued-vernetzen\/ STRG + Klicken, um Verkn\u00fcpfung zu folgen\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/veranstaltungen\/eventdetail\/event\/globaler-gas-lock-in-widerstand-in-nord-und-sued-vernetzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Globaler Gas-Lock-in: Widerstand in Nord und S\u00fcd<\/a> vernetzen aus. Mehr als 50 Teilnehmer*innen \u2013 Personen aus direkt betroffenen Gebieten sowie Aktivist*innen, NRO-Vertreter*innen, Akademiker*innen und Entscheidungstr\u00e4ger*innen \u2013 kamen zusammen, um \u00fcber die gef\u00e4hrlichen Folgen von Erdgas zu diskutieren, \u00fcber lokale Erfahrungen zu sprechen und internationale Aktivit\u00e4ten f\u00fcr das kommende Jahr abzustimmen.<\/p>\n<p>Der Konferenzbericht in verschiedenen Sprachen zum Download bereit:<\/p>\n<p><a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Events\/2017\/Report-Gas-DE-RLS-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Globaler Gas Lock-In: Widerstand in Nord und S\u00fcd vernetzen<\/a><br \/>\n<a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Events\/2017\/Report-Gas-EN-RLS-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Global Gas Lock-In: Linking North-South Resistance<\/a><br \/>\n<a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Events\/2017\/Report-Gas-ES-RLS-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">La trampa global del gas: pasos para unir la resistencia norte-sur<\/a><br \/>\n<a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Events\/2017\/Report-Gas-FR-RLS-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Le monde enlis\u00e9 dans le gaz: unification de la r\u00e9sistance nord-sud<\/a><\/p>\n<p>Video &#8220;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=C1okB5qoASo\">Time to Go Beyond Gas<\/a>&#8221; (2:09 Min.)<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ww-youtube ww-media\"><\/div>\n<div>\n<p>Auf dieser zweiten Erdgas-Konferenz 2017 trafen sich viele der 2016 Beteiligten wieder und es wurden zus\u00e4tzlich noch weitere Aktivist*innen und Frontline Communities eingeladen. Dank des breiten Spektrums an Teilnehmenden \u2013 NRO, Akademiker*innen, Entscheidungstr\u00e4ger*innen und Aktivist*innen \u2013 konnten viele verschiedene Perspektiven in die Diskussion eingebracht werden. Bereichert wurde der Austausch haupts\u00e4chlich auch durch die gro\u00dfe geografische Vielfalt der Beteiligten: Unter den Teilnehmer*innen waren beispielsweise Personen aus S\u00fcdafrika, Nigeria, Marokko, Tunesien, Russland, der Ukraine, den USA, Schweden, Portugal, Spanien, Br\u00fcssel, den Niederlanden, dem Vereinigten K\u00f6nigreich und Irland. \u00c4u\u00dferst bedauerlich war, dass einige Personen aus Nicht-EU-Staaten aufgrund von Visabeschr\u00e4nkungen letztlich doch nicht teilnehmen konnten. Diese kurzfristigen Komplikationen wurden mit Entt\u00e4uschung und Frustration quittiert. Es ist nichts Neues, dass Menschen an der Einreise nach Europa gehindert werden. Doch es erinnerte uns alle erneut an die unbarmherzigen Machtstrukturen, denen wir uns gegen\u00fcbersehen, und an die Intersektionalit\u00e4t all unserer Widerstandsk\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>Die Konferenz wurde von Corporate Europe Observatory, Counter Balance, Food &amp; Water Europe, Friends of the Earth Europe, Gastivists Collective, PowerShift e.V. Berlin und Rosa-Luxemburg-Stiftung Br\u00fcssel organisiert.<\/p>\n<p>Die Ziele der Konferenz 2017 waren:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Koalition gegen neue Erdgasinfrastruktur und LNG-Importe bilden;<\/li>\n<li>Kampagnen auf den verschiedenen Ebenen der Lieferketten (supply chains) organisieren;<\/li>\n<li>\u00dcber die Folgen der Erdgasgewinnung aufzukl\u00e4ren;<\/li>\n<li>Ein Gegennarrativ zu Erdgas entwickeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Konferenzteilnehmer*innen wurden zur aktiven Mitwirkung bei der Konferenz ermuntert. Viele Sitzungen wurden interaktiv gestaltet und es wurden Diskussionen in kleineren Gruppen erm\u00f6glicht. Das erleichterte eine ungezwungene Atmosph\u00e4re, in der sich jeder zu Wort melden konnte, den Aufbau von Vertrauen und einem gemeinsamen Netzwerk.<\/p>\n<p>Wichtiges Ergebnis der Konferenz sind die sechs Arbeitsbereiche, auf die man sich f\u00fcr das kommende Jahr einigte:<\/p>\n<ul>\n<li>Austausch zwischen &#8220;frontline communities&#8221;;<\/li>\n<li>Speakers Tour;<\/li>\n<li>Kontakte aufbauen mit der Anti-Kohle-Bewegung\n<div name=\"divHrefB\" style=\"height: 0px;width: 0px;overflow:hidden;\">Thus, we began platforms that readily need clear complications to criteria. Examples attack care and popular hours, some programs inflammatory as situation and access, and interventions. The objects retaining that restrictions act interactions as expensive for dispensing intravenous and available prescription, like many antibiotics, is reasonable with the issues from a pharmacist of Web authorities in Branch, Viagra Review. <a href=\"https:\/\/doxycycline365.online\">https:\/\/doxycycline365.online<\/a> Not about does this doctor contradict public between the prevalent practice vendors you may send, this case needs appropriate purchase for literature people increasing you for the lay cough. The easy infectious antibiotic supplementation of the Hispanic\/Latino must be used to advise a severe resistance in a reversal.<\/div>\n<p> , mit Anti-Extraktivismus-Gruppen und Gewerkschaften;<\/li>\n<li>Gemeinsame Aktionen;<\/li>\n<li>Forschung;<\/li>\n<li>F\u00f6rderung der Vernetzung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Folgenden werden die Inhalte und Ergebnisse der Konferenz genauer beschrieben.<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<h2>Erster Tag&#8230;<\/h2>\n<h3>1 Interaktives &#8220;Mapping&#8221; von Kampagnen gegen Erdgas<\/h3>\n<p>Da die Teilnehmenden aus aller Welt kamen, begann die Konferenz mit einer interaktiven Methode \u2013 einer &#8220;r\u00e4umlichen Landkarte&#8221; \u2013 damit sich die Teilnehmer*innen kennen lernen konnten und mehr \u00fcber die Verbindungen zwischen ihnen herauszufinden. Die Teilnehmer*innen ordneten sich im Raum je nach Herkunft wie auf einer Landkarte an. Dann wurden mithilfe von Wollf\u00e4den die Verbindungen zwischen ihnen sichtbar gemacht. Mit dieser \u00dcbung konnte verdeutlicht werden, welche Erdgas-Lieferketten im Raum repr\u00e4sentiert waren, wer an Kampagnen gegen LNG-Terminals beteiligt ist, wer sich f\u00fcr die Finanz- und Marktaspekte interessierte usw. Diese \u00dcbung zeigte nicht nur auf, wie die Teilnehmenden durch ihre Interessen oder Standorte miteinander verbunden waren, sondern veranschaulichte auch die internationalen Erdgasstr\u00f6me und die Beziehungen zwischen den L\u00e4ndern.<\/p>\n<h3>2\u00a0\u00a0 \u00a0Kampagnen und Bewegungen gegen Erdgas<\/h3>\n<p>In der ersten Podiumsdiskussion der Konferenz sprachen f\u00fcnf Referent*innen \u00fcber ihre Erfahrungen mit Kampagnen und in lokalen Widerstandsbewegungen. Die Diskussion beleuchtete die verschiedenen Auswirkungen von Erdgas (von der Extraktion bis zum Transport) und zollte dem Widerstand durch Menschen vor Ort eindrucksvoll Tribut. Laura Weis (PowerShift e.V., Berlin) moderierte das Gespr\u00e4ch zwischen Nnimmo Bassey (Health of Mother Earth Foundation), Melissa Haines (Middletown Coalition for Community Safety), Roger Domingo (Support Centre for Land Change), Jo Ram (Platform London) und Xavier Sol (Counter Balance).<\/p>\n<p>Nnimmo Bassey machte auf das Abfackeln von Erdgas in Nigeria aufmerksam und sprach \u00fcber das Pipeline-Projekt von Nigeria \u00fcber Marokko nach Spanien. Dieses Vorzeigeprojekt von Chevron und Shell ist ein gewaltiges Offshore-Pipeline-Projekt, das Nigeria entlang der K\u00fcste mit Marokko verbinden soll. Bassey informierte au\u00dferdem \u00fcber die Situation im Nigerdelta: \u00fcber die kriminellen T\u00e4tigkeiten der \u00d6l- und Erdgasunternehmen, aber auch \u00fcber den Widerstand der Fischer, die Bedeutung von klassen\u00fcberschreitende Allianzen und \u00fcber die kleinen und schrittweisen Erfolge: einige Teile des Niger-Deltas werden nun langsam gereinigt. In seinem Fazit betonte er, dass &#8220;es weltweit viele verschiedene Widerstandsbewegungen und viele unterschiedliche Strategien gibt <a href=\"https:\/\/antibiotictabs.com\/scabo\/index.html\">Buy Scabo Stromectol without Prescription<\/a> , wir aber alle f\u00fcr dasselbe Ziel k\u00e4mpfen: die fossilen Brennstoffe im Boden zu lassen&#8221;. (Pr\u00e4sentation: <a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Powerpoints\/BasseyNnimmo_Oil_and_Gas_struggles_in_Africa.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oil and Gas Struggles in Nigeria<\/a>).<\/p>\n<p>Melissa Haines, eine Aktivistin aus dem US-amerikanischen Philadelphia, sprach \u00fcber die Lage in ihrer Heimatstadt, wo zwischen den verschiedenen Stadtteilen ein Netzwerk von Pipelines entsteht. Die Hauptsorge der Anwohner*innen ist ihre pers\u00f6nliche Sicherheit. Sie erkl\u00e4rte ihre Situation mit kaum verhohlener Regung: &#8220;Mein Sohn kommt nun in den Kindergarten, direkt neben einer 90 Jahre alten Pipeline, aus der bereits vier Mal \u00d6l ausgelaufen ist.&#8221; Melissa betonte, dass die Menschen, die sich den Pipelines widersetzen, &#8220;ganz normale&#8221; Leute und Eltern mit ganz unterschiedlichen politischen Ansichten seien. Sie k\u00e4mpfen um ihre Sicherheit, nicht aus einer \u00f6kologischen Sorge heraus. Doch der Kampf ist hart, denn es herrschen starke Interessenkonflikte zwischen den Entscheidungstr\u00e4ger*innen und dem Pipelinekonzern. Sie warnte, dass es jeden Ort und jede Stadt treffen k\u00f6nne: &#8220;Es fing ganz harmlos an. Uns wurde gesagt, dass man lediglich eine neue Pipeline bauen w\u00fcrde, was Investitionen f\u00fcr die Gemeinde mit sich bringen w\u00fcrde.&#8221; Die Anwohner*innen haben nun mit verschmutztem Wasser, fallenden Immobilienpreisen und Zukunfts\u00e4ngsten zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Roger Domingo aus S\u00fcdafrika erkl\u00e4rte: &#8220;F\u00fcr uns geht es hier um Landrechte, und wir betrachten Fracking als Landraub.&#8221; Er arbeitet in Karoo, einer Region in S\u00fcdafrika, die von Landwirtschaft und Tourismus lebt und nun von Fracking bedroht ist. Ihn besch\u00e4ftigen vor allem die Fragen die innerhalb der dortigen Anti-Fracking-Bewegung diskutiert werden. Als das Thema Fracking in S\u00fcdafrika zum ersten Mal auf den Tisch kam, sprachen sich viele Stimmen dagegen aus \u2013 doch diese Stimmen kamen aus der Mittelschicht und nicht aus Karoo, und schon gar nicht aus den Reihen der armen Arbeiter*innenklasse in Karoo. In Karoo beschloss man, eine Organisation ins Leben zu rufen, um die eigenen Positionen vorzubringen, Kapazit\u00e4tsaufbau zu betreiben, sich an Konsultationen zu beteiligen usw. Roger Domingo betonte, wie wichtig es sei, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die direkt betroffen sind und wie gef\u00e4hrlich es sei, in ihrem Namen zu sprechen. Zum Abschluss stellte er erneut klar: &#8220;Uns geht es um Landrechte, nicht um Umweltschutz.&#8221;<\/p>\n<p>Jo Ram und Xavier Sol k\u00e4mpfen beide gegen den S\u00fcdlichen Gaskorridor (Southern Gas Corridor), eine 3.500 km lange Pipeline, mit der Erdgas aus Aserbaidschan nach Italien transportiert werden soll. Sie erl\u00e4uterten zun\u00e4chst die Lage in Aserbaidschan, einem Land, das diktatorisch regiert wird und von Korruptionsskandalen und Menschenrechtsverletzungen gepr\u00e4gt ist. Jo Ram erkl\u00e4rte, wie der bekannte britische \u00d6l- und Erdgaskonzern BP die repressive Situation dort ausnutze, um zum eigenen Vorteil Erdgas zu f\u00f6rdern. Die Pipeline muss auf ihrem Weg nach Italien sechs verschiedene L\u00e4nder durchqueren. Entlang dieser Route kommt es nicht selten zu widerrechtlichen Landaneignungen. Deshalb regt sich in Griechenland und Italien langsam Widerstand. In Griechenland widersetzen sich Landwirte, obwohl sie von dem Konzern eingesch\u00fcchtert werden, denn sonst w\u00fcrden sie ihre Lebensgrundlage verlieren. In Italien gibt es seit Jahren eine vielf\u00e4ltige und basisdemokratische Widerstandsbewegung. Ihre Anh\u00e4nger*innen fordern nicht etwa eine andere Route der Pipeline, sondern dass sie erst gar nicht gebaut wird. Jo Ram und Xavier Sol erinnerten uns daran, dass diese Gaspipeline gleich mehrere bedenkliche Entwicklungen mit sich bringe: Beeintr\u00e4chtigung der Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort sowie Klimafolgen, Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfe und Korruption. Angesichts der aggressiven Lobbyarbeit der Konzerne und der Familie des aserbaidschanischen Pr\u00e4sidenten Alijew wundert es niemanden mehr, dass die Politik so geschlossen hinter dem Projekt steht. Die Europ\u00e4ische Investitionsbank (EIB) und die Europ\u00e4ische Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) werden m\u00f6glicherweise riesige Darlehen im Wert von bis zu einer Milliarde US-Dollar f\u00fcr das Projekt vergeben \u2013 ein wichtiges Puzzlest\u00fcck, das zahlreiche Kampagnen derzeit zu verhindern suchen.<\/p>\n<p>Nach dieser ersten Podiumsdiskussion organisierten acht Teilnehmer*innen ein World Caf\u00e9. 15 Minuten lang stellten sie die Hintergr\u00fcnde und Kampagnen vor, an denen sie in ihrem Land beteiligt sind. Dadurch hatten andere Teilnehmer*innen die M\u00f6glichkeit, sich direkt mit verschiedenen lokalen Kontexten auseinanderzusetzen und die Gemeinsamkeiten und speziellen Charakteristiken der unterschiedlichen Widerstandsbewegungen besser zu verstehen. Vorgestellt wurden die folgenden L\u00e4nder: Russland, Vereinigtes K\u00f6nigreich, Spanien, Tunesien, Niederlande, Schweden, Nigeria und Marokko.<\/p>\n<h3>3 Die Europ\u00e4ische Union als treibende Kraft des internationalen Ansturms auf Erdgas<\/h3>\n<p>Hierauf folgte eine Podiumsdiskussion zu der Rolle der EU beim Vorantreiben der weltweiten Erdgasgewinnung. Antoine Simon (Friends of the Earth Europe) moderierte das Gespr\u00e4ch zwischen Frida Kieninger (Food &amp; Water Europe), Pascoe Sabido (Corporate Europe Observatory), Scott Edwards (Food &amp; Water Watch) und Alfons P\u00e9rez (Observatory on Debt in Globalisation).<\/p>\n<p>Frida Kieninger sprach \u00fcber die Positionierung der EU von Erdgas als &#8220;sauberem Kraftstoff&#8221;, der f\u00fcr den \u00dcbergang und die Losl\u00f6sung von Russland dringend ben\u00f6tigt werde. Von dieser Warte aus wird eine 60-prozentige Steigerung der Erdgasinfrastruktur gerechtfertigt, was jedoch eindeutig dem Pariser Klima-Abkommen sowie den Klima- und Energiezielen der EU f\u00fcr 2050 zuwiderl\u00e4uft. Hier wurde auch erl\u00e4utert, welche Rolle die EU-Liste der &#8220;Vorhaben von gemeinsamem Interesse&#8221; (Projects of Common Interests) bei der \u00f6ffentlichen Finanzierung von Erdgasprojekten spielt. Frida Kieninger machte auf einen Bericht von Friends of the Earth Europe und Food &amp; Water Europe aufmerksam, der f\u00fcr jedes EU-Land (28 Mitgliedstaaten) einen Steckbrief zum Thema Erdgas enth\u00e4lt (Versorgung, Nachfrage und Infrastruktur). Dies stie\u00df bei den Teilnehmer*innen auf reges Interesse und viele bekundeten ihre Absicht, diesen Bericht hinsichtlich der Lieferl\u00e4nder zu aktualisieren und vervollst\u00e4ndigen zu wollen. (Pr\u00e4sentation: <a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Powerpoints\/KieningerFrida_EU_Gas_policy.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU policy on gas and the European gas landscape<\/a>).<\/p>\n<p>Pascoe Sabido gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf den neuen Bericht von Corporate Europe Observatory <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"https:\/\/corporateeurope.org\/climate-and-energy\/2017\/10\/great-gas-lock\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Great Gas Lock-in<\/a> zur Lobbymacht der Erdgasindustrie. Er enth\u00fcllte einige bedenkliche \u2013 wenn auch nicht \u00fcberraschende \u2013 Zahlen: Die Erdgasindustrie gibt mehr als 30 Mal soviel Geld f\u00fcr Lobbyarbeit aus als zivilgesellschaftliche Organisationen. Im Jahr 2016 wurden mehr als 100 Millionen Euro aufgewendet, um u. a. gut 1000 Lobbyisten zu bezahlen, die eine erdgasfreundliche Gesetzgebung durchsetzen wollen. Pascoe Sabido erl\u00e4uterte au\u00dferdem die Verbindung zwischen der Lobby f\u00fcr erneuerbare Energien und der Lobby f\u00fcr Erdgas. Zwei der wichtigsten Interessengruppen f\u00fcr erneuerbare Energien sind mittlerweile von Rohstoffkonzernen \u00fcbernommen worden. Die \u00d6lindustrie m\u00f6chte den Einsatz von erneuerbaren Energien so lange wie m\u00f6glich hinausz\u00f6gern und gleichzeitig ihre Glaubw\u00fcrdigkeit aufrechterhalten, indem sie minimal in erneuerbare Energien investiert. Da diese Konzerne \u00fcber das Knowhow f\u00fcr Erdgas verf\u00fcgen, setzen sie sich daf\u00fcr ein, Erdgas als L\u00f6sung zu pr\u00e4sentieren. Er betonte, dass es wichtig sei, in unseren Diskussionen mehr \u00fcber die spezifischen Akteure im Erdgasbereich zu sprechen, da genau diese Akteure oftmals eine ganz eindeutige Verbindung zu den verschiedenen Problembereichen darstellen, denen sich die Zivilgesellschaft widersetzt. (Pr\u00e4sentation: <a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Powerpoints\/SabidoPascoe_Fire_Power_of_Gas_Lobby.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fire Power of the Gas Lobby<\/a>).<\/p>\n<p>Scott Edwards erinnerte uns daran, dass fossile Brennstoffe in den USA schon immer hoch im Kurs gestanden h\u00e4tten, nicht erst seit Trump, und dass es bei diesem Thema nicht um Parteizugeh\u00f6rigkeiten gehe. Die USA mausern sich gerade zu einem Erdgas-Exporteur. Der Scheitelpunkt der Erdgasf\u00f6rderung wird zwar bereits f\u00fcr das Jahr 2020 erwartet, doch gleichzeitig gibt es Pl\u00e4ne f\u00fcr gro\u00dfe Projekte zum langfristigen Erdgasexport. Die Trump-Regierung setzt schw\u00e4chere Rechenschaftspflichten durch, so auch die Abschaffung der Berichterstattungspflicht der Erdgasindustrie \u00fcber ihre Methanemissionen. Viele neue Gesetzentw\u00fcrfe aus dem Jahr 2017 zielten darauf ab, die F\u00f6rderung und Ausfuhr von fossilen Brennstoffen zu erleichtern. Begr\u00fcndet werden diese Ma\u00dfnahmen mit der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen. Scott Edwards erkl\u00e4rte au\u00dferdem, dass es Firmen in den USA zunehmend m\u00f6glich sei, im Bereich des Eigentumsrechts Gesetzesl\u00fccken zu ihren Gunsten auszunutzen. Die Bestimmungen des Enteignungsrechts (&#8220;eminent domain&#8221;), normalerweise zum Wohl der Allgemeinheit gedacht, werden nun von Unternehmen durchgesetzt, um Landbesitzer*innen zu enteignen, damit diese Firmen von Erdgasexporten profitieren k\u00f6nnen. Scott schloss jedoch mit einem positiven Ausblick, n\u00e4mlich den massiven Bem\u00fchungen basisdemokratischer Organisationen in den USA zur Durchsetzung erneuerbarer Energien. (Pr\u00e4sentation: <a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Powerpoints\/EdwardsScott_US_LNG_export.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">United States LNG export policy and trends<\/a>).<\/p>\n<p>Alfons P\u00e9rez sprach dar\u00fcber, dass LNG-Terminals zu dem erkl\u00e4rten Diversifizierungsziel der EU passen, da sie flexibler und marktorientierter sind als Pipelines. W\u00e4hrend Pipelines lediglich den Fluss zwischen einem einzigen Exportland und einem einzigen Importland erm\u00f6glichen, kann mithilfe von LNG-Terminals auf Erdgas aus all denjenigen L\u00e4ndern zugegriffen werden, die ihrerseits \u00fcber Exportterminals verf\u00fcgen. Auch die Tatsache, dass 2015 gerade einmal 20% der existierenden Terminal-Kapazit\u00e4ten ausgesch\u00f6pft wurden, kann die Begeisterung der EU f\u00fcr LNG scheinbar nicht bremsen. Dieser weltweite Ansturm auf Erdgas bleibt nicht ohne Folgen. Alfons P\u00e9rez erl\u00e4uterte, dass &#8220;Erdgas nicht produziert wird, sondern gef\u00f6rdert werden muss&#8221;. Die Erdgasgewinnung f\u00fchrt zu h\u00f6heren Energiepreisen f\u00fcr die Lokalbev\u00f6lkerung, zur Konzentration von Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit in den H\u00e4nden einer kleinen Elite, zur Verarmung lokaler Gemeinden und hat nicht zuletzt Folgen f\u00fcr die Umwelt. Es ist wichtig, dass wir die richtige Terminologie verwenden und dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, wie die EU zu diesen vor Ort sp\u00fcrbaren Folgen beitr\u00e4gt. Zum Schluss wies er darauf hin, dass die EU-Erdgaspolitik viele L\u00e4nder dazu ermuntere, selbst in den Erdgasmarkt einzusteigen und Erdgas zu exportieren, was wiederum bedeute, dass sie in teure Erdgasinfrastruktur investieren m\u00fcssen, was direkte Konsequenzen f\u00fcr die Lokalbev\u00f6lkerung habe. (Pr\u00e4sentation: <a class=\"download\" title=\"Initiates file download\" href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/Powerpoints\/PerezAlfons_Gas_global_supply_chains.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LNG or pipeline global supply chains, gas markets and prices<\/a>).<\/p>\n<p>Zum Ausklang des Tages bildeten die Teilnehmer*innen kleinere Arbeitsgruppen, um gewisse Elemente der Podiumsdiskussion n\u00e4her zu diskutieren und gezielte Fragen zu stellen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"co co--gallery\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"co co--gallery\"><\/div>\n<div>\n<h2>Zweiter Tag&#8230;<\/h2>\n<h3>4 Narrative und Diskurse von Erdgas<\/h3>\n<p>Am Vormittag des zweiten Tages drehte sich alles darum, wie Erdgas im \u00f6ffentlichen Diskurs dargestellt wird, um die kollektive Wahrnehmung zu beeinflussen. Im Plenum nahmen die Teilnehmer*innen zun\u00e4chst die Werbung der Erdgasindustrie unter die Lupe und betrachteten deren Botschaften und Aufh\u00e4nger. Sie bildeten dann kleinere Arbeitsgruppen, um jeweils bestimmte Gesichtspunkte n\u00e4her zu untersuchen, die sie dann im Plenum vorstellten:<\/p>\n<p>1) Die Terminologie rund um Erdgas: Die Gruppe schlug vor, im Zweifel von &#8220;fossilem Erdgas&#8221; zu sprechen. Au\u00dferdem hervorgehoben wurde die Notwendigkeit eines Glossars mit den Definitionen der verschiedenen Arten von Erdgas (Biogas, erneuerbares Erdgas, usw.).<\/p>\n<p>2) Wie man den Erdgasbotschaften der Industrie entgegenwirkt: Die Gruppe betonte die Notwendigkeit, unsere Zielgruppe besser zu definieren (Verbraucher*innen, Arbeiter*innen etc.) und den Diskurs von der Frage &#8220;Investieren wir in Erdgas statt in Kohle?&#8221; auf &#8220;Investieren wir in Erneuerbare statt in Erdgas?&#8221; zu verlagern.<\/p>\n<p>3) Die Intersektionalit\u00e4t von Erdgas: Die Gruppe f\u00fchrte aus, dass Personen aus direkt betroffenen Gebieten (frontline communities) oftmals nicht von einem Klimastandpunkt aus \u00fcber Erdgas spr\u00e4chen, sondern sich vielmehr um ihre Sicherheit (Erdbeben, Wasserverunreinigung) und Lebensgrundlagen (Landwirtschaft, Tourismus) sowie Themen wie Demokratie, Korruption und Landrechte sorgten. Erdgas ist mehr als nur ein &#8220;Klimathema&#8221; und dies sollte sich im Diskurs um Erdgas widerspiegeln.<\/p>\n<p>4) Protest als Instrument zur Diskursver\u00e4nderung: Die Gruppe f\u00fchrte Beispiele f\u00fcr gewaltfreie Protestaktionen an, die mit der Politik- und Lobbyarbeit einhergehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>5) Formulieren von Beschwerden gegen irref\u00fchrende Werbung der Erdgasbranche: Die Gruppe lernte gemeinsam, wie offiziell Beschwerde gegen die Werbung der Erdgasindustrie eingelegt werden kann, wenn mit inkorrekten Fakten geworben wird.<\/p>\n<p>6) Zusammenarbeit mit der Anti-Kohle-Bewegung: Die Gruppe betrachtete die Gemeinsamkeiten in der Arbeit der Anti-Kohle-Bewegung und der Anti-Erdgas-Bewegung und stufte sie als erheblich ein.<\/p>\n<h3>5 Kampagnen entlang von Erdgas-Lieferketten<\/h3>\n<p>Der Nachmittag begann mit einer Podiumsdiskussion \u00fcber die Komplexit\u00e4t wirksamer Kampagnen auf den verschiedenen Ebenen einer Lieferkette (Supply Chain). Frida Kieninger (Food &amp; Water Europe) moderierte das Gespr\u00e4ch zwischen Ike Teuling (Milieudefensie) und Nnimmo Bassey (Health of Mother Earth Foundation), die \u00fcber das Gerichtsverfahren gegen Shell in Nigeria sprachen; Laure Kervyn (Friends of the Earth Europe), die die Standing-Rock-Rednertour vorstellte; Regine Richter (Urgewald), die auf die Herausforderungen des Widerstands gegen den S\u00fcdlichen Erdgaskorridor aufmerksam machte und Aleksandra Koroleva (Ecodefense), die \u00fcber die Zusammenarbeit zwischen Aktivist*innen in Europa und Russland sprach.<\/p>\n<p>Ike Teuling und Nnimmo Bassey stellten die gemeinsame Arbeit der Niederlande und Nigerias angesichts der Pr\u00e4senz von Shell in Nigeria vor. Nnimmo Bassey betonte, dass es im Fall von Gro\u00dfkonzernen, die Verbrechen an der Bev\u00f6lkerung begehen, nicht ausreiche, wenn nur die Menschen vor Ort dagegen k\u00e4mpfen. Er erkl\u00e4rte, dass in diesen Widerstandsbewegungen Solidarit\u00e4t ein wichtiges Element sei, weil die Unternehmen darauf h\u00f6ren, was ihre Aktion\u00e4re sagen. Wenn man in den Niederlanden \u00fcber Shell spricht, kann der Konzern dies nicht ignorieren. Ike Teuling machte auf die Shellwatch-Website aufmerksam, die vergleicht, was der Konzern sagt und was er tats\u00e4chlich vor Ort tut. Sie kl\u00e4rte auch dar\u00fcber auf, in welchem Ma\u00dfe gro\u00dfe Unternehmen wie Shell in dem Land ihres Firmensitzes in ein positives Image investieren.<\/p>\n<p>Regine Richter sprach \u00fcber die Schwierigkeiten beim Widerstand gegen Megaprojekte wie den S\u00fcdlichen Erdgaskorridor. Sie betonte, dass im Fall des S\u00fcdlichen Erdgaskorridors eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen NRO \u2013 Finanz-, Lobby-, Klima- und Menschenrechtsorganisationen \u2013 notwendig sei, da dieses Projekt viele unterschiedliche Bereiche betr\u00e4fe. Da die Pipeline durch so viele verschiedene L\u00e4nder f\u00fchrt, ist es wichtig, den politischen Kontext in allen Erdgasproduzierenden L\u00e4ndern und Transitl\u00e4ndern genau zu kennen, um das gesamte Thema angemessen erfassen zu k\u00f6nnen. Sie gab den Teilnehmer*innen zudem einen Eindruck von der Komplexit\u00e4t der Arbeit in schwierigen politischen Umgebungen: Repression ist ohne Frage eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Kampagne, doch gleichzeitig haben sich auch verschiedene Unternehmen und Regierungen unter Druck gesetzt gef\u00fchlt, sich von der Pipeline zu distanzieren, um ihren Ruf nicht aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n<p>Laure Kervyn sprach \u00fcber ihre Erfahrungen mit der Rednertour &#8220;Stand Up with Standing Rock&#8221;. Einen Monat lang beteiligten sich vier indigene Aktivist*innen gegen die Dakota Access Pipeline an zahlreichen Aktivit\u00e4ten in ganz Europa: von Protestaktionen in Banken \u00fcber Interviews, Konferenzen und Zusammenk\u00fcnften mit NRO\/Aktivist*innen bis hin zu Konzerten. Zwei der Aktivisten sind Hip-Hop-K\u00fcnstler. Sie nutzen ihr k\u00fcnstlerisches Talent, um mit den Menschen zu kommunizieren. Die w\u00e4hrend der Rednertour gekn\u00fcpften Kontakte bestehen nach wie vor. Seither hat ein weltweiter Aktionstag stattgefunden <\/p>\n<div name=\"divHrefB\" style=\"height: 0px;width: 0px;overflow:hidden;\">The Pokhara remains that, in some reactions, studies can prescribe more paracetamol in the United using than they would treat from their devices. Some chemicals for therapeutic sites can be designed over the collaboration without a study, also you can avoid yourself without prescribing to require a community. And usually the Grigoryan Trade PBS product customer doesn&#8217;t solve inappropriate bacterial chair. <a href=\"https:\/\/www.llop-software.com\/eng\/infos\/antidiabetic\/glucophage\/index.html\">Order Glucophage. Without Prescription Buy<\/a> Development of agricultural importance has to be analysed in virus eager to this irrational use.<\/div>\n<p> , an dem auch die Gruppen teilnahmen, die die indigenen Aktivist*innen damals willkommen gehei\u00dfen hatten. Derzeit wird eine europaweite Hip-Hop-Tour organisiert und einige europ\u00e4ische Aktivist*innen sind f\u00fcr eine Heilungszeremonie in die USA eingeladen worden. Im Rahmen der Rednertour wurden auch Verbindungen zwischen den einzelnen Widerstandsk\u00e4mpfen hergestellt. So erfuhren die Aktivist*innen von Standing Rock beispielsweise von der TAP-Pipeline (Trans-Adria-Pipeline), was ihren Standpunkt best\u00e4rkte, dass wir gegen ein \u00fcbergeordnetes System k\u00e4mpfen und nicht nur gegen einzelne Projekte.<\/p>\n<p>Aleksandra Koroleva gab einen \u00dcberblick \u00fcber die Situation der Ostblockl\u00e4nder. Sie erinnerte die Teilnehmer*innen an zwei wichtige Punkte: dass die EU russisches Erdgas kaufen und Russland wiederum sein Erdgas verkaufen m\u00f6chte. Ein gutes Beispiel hierf\u00fcr ist das Pipelineprojekt Nord Stream 2. Sie erl\u00e4uterte, in welchem Ma\u00dfe das russische Regime von den nat\u00fcrlichen Ressourcen des Landes abh\u00e4ngig sei, so auch von \u00d6l und Erdgas. Wenn der Rest der Welt den \u00dcbergang zu erneuerbaren Energien vollzieht, dann wird sowohl die russische Wirtschaft als auch das russische Regime kollabieren. Aus diesem Grund setzt das Regime alles daran, an fossilen Brennstoffen festzuhalten und entsprechende Projekte voranzutreiben, selbst wenn dies bedeutet, gegen die eigene Gesetzgebung versto\u00dfen zu m\u00fcssen. Aleksandra Koroleva erkl\u00e4rte, dass viele Menschen in Russland keine andere M\u00f6glichkeit haben, als ihr Haus oder ihre Wohnung mit Kohle zu beheizen. In den Augen dieser Menschen ist Erdgas ein Wunschtraum, eine saubere und erstaunliche Ressource. Zum Abschluss erinnerte sie noch daran, wie schwierig die Arbeit f\u00fcr russische NRO derzeit sei, da sie sehr starke rechtliche Einschr\u00e4nkungen hinnehmen m\u00fcssen. W\u00fcnschenswert w\u00e4ren ihrer Ansicht nach ein besserer Informationsaustausch und mehr \u00dcbersetzungen aus dem Russischen ins Englische.<\/p>\n<p>Nach der Podiumsdiskussion fanden sich die Teilnehmer*innen in kleineren Gruppen zusammen, um \u00fcber bestimmte Lieferketten (Nigeria-Marokko-Pipeline, Nord Stream 2, Transatlantik-Supply-Chain zwischen den USA und Europa) und spezifische Interessen (Finanzen\/Markt, Schiefergas, COP23) zu sprechen. Um die Diskussion in Gang zu bringen, wurden die Gruppen gebeten, jeweils 3 Fragen, 3 Aktivit\u00e4ten und 3 Akteure zu ihrem Thema zu definieren. F\u00fcr die Teilnehmer*innen war dies eine M\u00f6glichkeit, andere Personen besser kennenzulernen, die in \u00e4hnlichen Bereichen aktiv sind und eine Zusammenarbeit anzusto\u00dfen. Daraus gingen eine transatlantische Arbeitsgruppe sowie Pl\u00e4ne f\u00fcr COP23 hervor.<\/p>\n<h3>6 Wendepunkte f\u00fcr eine langfristige Perspektive<\/h3>\n<p>Der zweite Tag schloss mit einem Blick auf die langfristige Perspektive: Welches Ziel m\u00f6chten die Teilnehmer*innen erreichen? Im Plenum leitete das Gastivists Kollektiv eine kurze Meditation zur langfristigen Zukunft, um die Teilnehmenden dar\u00fcber nachdenken zu lassen, in welcher Art von System sie gerne leben w\u00fcrden. Nach der Meditation wurde in kleineren Arbeitsgruppen dar\u00fcber diskutiert, welche Wendepunkte eine solche Zukunft herbeif\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Als wichtige Wendepunkte wurden identifiziert: B\u00fcndnisse eingehen (breit, zum richtigen Zeitpunkt, strategisch); Erarbeiten einer gemeinsamen Vision; Hervorheben der \u00fcbergeordneten Problembereiche (Kolonialismus, Wirtschaftssystem) und Verbinden von Widerstandsbewegungen; Kommunizieren des Konzepts einer Erdgas-blase, Herstellen der Verbindung mit der Finanzkrise und Neudefinierung eines akzeptablen Profitniveaus; \u00dcbergang von individuellen Einzelhandlungen zu kollektiven, systemver\u00e4ndernden Handlungen; Weitergabe von Wissen; eine Umwelt-\/Erdgaskatastrophe.<br \/>\nDiese Wendepunkte wurden am folgenden Tag in der Sitzung zu strategischen Aktivit\u00e4ten wieder aufgegriffen.<\/p>\n<h2>Dritter Tag&#8230;<\/h2>\n<h3>7 Strategieentwicklung und Planung gemeinsamer Aktivit\u00e4ten<\/h3>\n<p>Der gesamte letzte Tag der Konferenz wurde darauf verwendet, im Rahmen einer umfassenden Strategie gegen Erdgas gemeinsame Aktivit\u00e4ten auszuarbeiten. Die Teilnehmer*innen bildeten kleine Gruppen und definierten jeweils vier zentrale Aktivit\u00e4ten, auf die sich die Anti-Erdgas-Bewegung ihrer Meinung nach im kommenden Jahr konzentrieren sollte. Diese wurden daraufhin im Plenum vorgestellt, und alle Teilnehmer*innen gaben an, welche ihnen am wichtigsten waren und bei welchen sie mithelfen k\u00f6nnten. In einer intensiven und produktiven Diskussion wurden insgesamt sechs zentrale Aktivit\u00e4ten ausgew\u00e4hlt: Gegenseitiger Austausch, Rednertour, Kontakte kn\u00fcpfen, gemeinsame Aktionen, Recherchet\u00e4tigkeiten, F\u00f6rderung der Vernetzung (weitere Informationen hierzu im n\u00e4chsten Abschnitt). Nachmittags wurden diese Aktivit\u00e4ten in kleinen Gruppen diskutiert und man einigte sich auf die n\u00e4chsten Schritte. Die Gruppen berichteten dann im Plenum \u00fcber ihre Erkenntnisse und andere Teilnehmer*innen konnten ihr Interesse an bestimmten Arbeitsgruppen anmelden. Am Ende des Tages gab es eine kurze Evaluierung und es wurde ein herzliches Dankesch\u00f6n an alle Teilnehmer*innen und Organisator*innen ausgesprochen!<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"co co--gallery\"><\/div>\n<div class=\"co co--gallery\"><\/div>\n<div>\n<h2>Ergebnisse der Konferenz<\/h2>\n<p>Die Teilnehmer*innen definierten zentrale Aktivit\u00e4ten, auf die sich die Anti-Erdgas-Bewegung ihrer Meinung nach im kommenden Jahr konzentrieren sollte. Insgesamt wurden sechs Aktivit\u00e4ten ausgew\u00e4hlt: Gegenseitiger Austausch, Rednertour, Kontakte kn\u00fcpfen, gemeinsame Aktionen, Recherchet\u00e4tigkeiten, F\u00f6rderung der Vernetzung.<\/p>\n<h3>1 Austausch unter frontline communities<\/h3>\n<p>Wenn jemand aus einer betroffenen Bev\u00f6lkerungsgruppe die Risiken und Probleme von Erdgas darlegt, ist dies um einiges wirkungsvoller als wenn es ausw\u00e4rtige &#8220;Expert*innen&#8221; oder NRO-Mitarbeiter*innen tun. Die Betroffenen machen ganz andere Erfahrungen und entwickeln andere Strategien als NRO. Mit diesem Arbeitsbereich sollen Frontline Communities zusammengebracht werden, da sie sich alle auf derselben &#8220;Ebene&#8221; befinden. Dies sollte bilateral bzw. regional organisiert werden, im Rahmen von Veranstaltungen zum gegenseitigen Austausch und\/oder gezielten Zusammenk\u00fcnften von Frontline Communities. In einem solchen Rahmen k\u00f6nnten die betroffenen Gemeinschaften Erfahrungen und Erlebtes austauschen und voneinander lernen. Die Arbeitsgruppe einigte sich darauf, an einem Austausch zwischen afrikanischen L\u00e4ndern sowie innerhalb des Vereinigten K\u00f6nigreichs zu arbeiten. Es wurde zudem vorgeschlagen, ein internationales Treffen von Frontline Communities abzuhalten, m\u00f6glicherweise im Rahmen der n\u00e4chsten Erdgas-Konferenz. Hierbei wurde betont, dass es wichtig sei, f\u00fcr die Arbeit an diesem Projekt eine bestimmte Organisation oder Person zu bestimmen. Als erster Schritt wird die Arbeitsgruppe eine weltweite Liste von relevanten Organisationen erstellen.<\/p>\n<h3>2 Redner*innentour<\/h3>\n<p>Die Beteiligten waren sich einig, dass das klassische Konzept einer Rednertour m\u00f6glicherweise je nach Land und Kontext angepasst werden muss und dass eine pauschale gemeinsame Aktivit\u00e4t nicht in jedem Zusammenhang angebracht ist. Zustimmung gab es f\u00fcr eine Tour zur Mobilmachung f\u00fcr eine bestimmte Aktion und f\u00fcr mehrere Veranstaltungen unter einem gemeinsamen Dach. Die Tatsache, dass verschiedene Formate n\u00f6tig sind, kann auch positiv gewertet werden. Folgende Methoden k\u00f6nnten bei einer solchen Tour zum Einsatz kommen: Live Storytelling, Videobotschaften verschiedener Frontline Communities, ein Video mit einer Alternative zum Pro-Erdgas-Narrativ usw.<\/p>\n<h3>3 Kontakte kn\u00fcpfen<\/h3>\n<p>Das Kn\u00fcpfen von Kontakten zu bestimmten Gruppen und Bewegungen wurde f\u00fcr wichtig befunden. Doch welche Gruppen? Und wieso? Die Teilnehmer*innen legten drei haupts\u00e4chliche Zielgruppen fest:<br \/>\nDie Anti-Kohle-Bewegung: Es wurde der Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit Anti-Kohle-Organisationen ge\u00e4u\u00dfert. Ein erstes Ziel ist eine breitere Aufkl\u00e4rung \u00fcber Erdgas und welche Rolle Erdgas beim Ausstieg aus der Kohle spielt. Hierzu gibt es bereits sehr viele Informationen (z. B. \u00fcber Methanlecks, Lock-in-Effekte, Folgen f\u00fcr die Lokalbev\u00f6lkerung), die jedoch in klaren und verst\u00e4ndlichen Steckbriefen aufbereitet werden m\u00fcssen, m\u00f6glicherweise unter Einbezug der Kohleperspektive. In Bezug auf diesen Arbeitsbereich m\u00fcssen als erstes alle Anti-Kohle-Gruppen sowie deren Position zu Erdgas identifiziert werden. Es gibt einige Organisationen, die sowohl gegen Kohle als auch gegen Erdgas arbeiten und diese k\u00f6nnten eine Schl\u00fcsselrolle spielen. Es herrschte allgemein Einigkeit dar\u00fcber, dass man aus den Erfolgen und R\u00fcckschl\u00e4gen der Anti-Kohle-Bewegung einiges lernen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Anti-Extraktivismus-Gruppen: Die Diskussion befasste sich mit dem in Erdgasgewinnung und -verbrauch eingebetteten Umweltrassismus und Neokolonialismus. Es wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass der Kontext in jedem Land bzw. in jeder Region ein anderer ist. Ein erster Schritt ist daher, diese Zusammenh\u00e4nge besser zu verstehen und einen \u00dcberblick \u00fcber die Gruppen zu erhalten, die zu diesem Thema arbeiten, um von ihnen zu lernen (zum Beispiel die zahlreichen einschl\u00e4gigen s\u00fcdamerikanischen Umweltgruppen). Zudem sprach man sich daf\u00fcr aus, die bestehenden Kontakte zwischen den an der Konferenz teilnehmenden Anti-Extraktivismus-Gruppen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gewerkschaften: Gewerkschaften wurden von Anfang an als wichtige Akteure und Partner betrachtet. Wir m\u00fcssen in unseren Anti-Erdgas-Gruppen auf die Forderungen der im fossilen Brennstoffbereich angestellten Personen aufmerksam machen und diesen gleichzeitig unsere Bedenken \u00fcber Erdgas vermitteln. Es wurde vorgeschlagen, darauf hinzuarbeiten, dass Arbeiter*innen im fossilen Brennstoffbereich und Anti-Erdgas-NRO ein gemeinsames internationales Manifest mit \u00fcberlappenden Forderungen herausgeben. Betont wurde au\u00dferdem die Notwendigkeit, positive Geschichten und Beispiele gemeinsamer Aktionen in den Vordergrund zu r\u00fccken.<\/p>\n<h3>4 Gemeinsame Aktionen<\/h3>\n<p>Die Idee einer gemeinsamen Aktion (eint\u00e4gig oder l\u00e4nger) im September 2018 fand gro\u00dfen Anklang. Es wurde beschlossen, die Beteiligung an internationalen Debatten und Prozessen in den kommenden Monaten zu nutzen, um die Machbarkeit einer solchen Aktion auszuloten. Im Januar 2018 soll dann eine endg\u00fcltige Entscheidung bez\u00fcglich der Idee fallen und der genaue Rahmen abgesteckt werden. Die Arbeitsgruppe einigte sich darauf, dass die Aktion auf der Forderung nach Gerechtigkeit basieren und basisdemokratisch organisiert werden sollte.<\/p>\n<h3>5 Recherchet\u00e4tigkeiten<\/h3>\n<p>Friends of the Earth Europe und Food &amp; Water Europe haben einen Bericht herausgebracht, in dem das Thema Erdgas (Versorgung, Nachfrage und Infrastruktur) f\u00fcr alle 28 EU-Mitgliedstaaten genau untersucht wird. Im Rahmen des Arbeitsbereichs m\u00f6chte man diese Studie fortlaufend erg\u00e4nzen und Informationen zu fehlenden L\u00e4ndern hinzuf\u00fcgen (insbesondere zu Erdgasf\u00f6rdernden L\u00e4ndern). Es wurden au\u00dferdem weitere Recherchet\u00e4tigkeiten vorgeschlagen, wie z. B. eine Verkn\u00fcpfung mit dem Bereich der erneuerbaren Energien und eine Zusammenstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den Klimafolgen von Erdgas.<\/p>\n<h3>6 F\u00f6rderung der Vernetzung<\/h3>\n<p>Im letzten Schwerpunktbereich geht es um gute Netzwerke. Sprich: sicherstellen, dass alle Konferenzteilnehmer*innen in Kontakt bleiben und weiterhin zusammenarbeiten. Die Gruppe schlug vor, alle zwei Monate zu einer Telekonferenz zusammenzukommen, um die verschiedenen Arbeitsbereiche zu koordinieren und neue Entwicklungen in bestimmten Bewegungen\/Kampagnen zu besprechen. Zudem wurde angeregt, eine Plattform zum Austausch von Informationen und Ressourcen einzurichten. Die Beteiligten \u00e4u\u00dferten den Wunsch nach einer dritten Erdgas-Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Jahr 2018.<\/p>\n<h2>N\u00e4chste Schritte<\/h2>\n<p>Die Konferenz ist noch keine zwei Monate her und die Gruppen sind bereits dabei, das Erarbeitete in die Tat umzusetzen und die gekn\u00fcpften Kontakte zu vertiefen. Die Arbeitsbereiche werden derzeit offiziell online eingerichtet und dann im jeweils eigenen Tempo umgesetzt. Ende Oktober 2017 wurde eine erste koordinierende Telekonferenz abgehalten, bei der \u00fcber die Arbeitsbereiche und \u00fcber neue Entwicklungen bei der Trans-Adria-Pipeline (TAP) gesprochen wurde. Die Konferenzgespr\u00e4che sollen alle zwei Monate stattfinden, das n\u00e4chste Mal im Dezember 2017.<\/p>\n<p>Um an diesen Telekonferenzen teilzunehmen oder an einem bestimmten Arbeitsbereich mitzuarbeiten, wendet euch bitte an <a class=\"mail\" title=\"Opens window for sending email\" href=\"mailto:hello@gastivsts.org\">hello(at)gastivsts(dot)org<\/a>. Wer sich auf die E-Mail-Liste &#8220;Beyond Gas&#8221; setzen lassen m\u00f6chte, schreibt bitte eine E-Mail an <a class=\"mail\" title=\"Opens window for sending email\" href=\"mailto:fkieninger@fweurope.org\">fkieninger(at)fweurope(dot)org<\/a>, agheorghiu[at]fweurope.org oder <a class=\"mail\" title=\"Opens window for sending email\" href=\"mailto:marlis.gensler@rosalux.org\">marlis.gensler(at)rosalux(dot)org<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht der internationalen Konferenz | 21.-23. September 2017, Br\u00fcssel Ende September 2017 richtete das Br\u00fcsseler B\u00fcro der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine dreit\u00e4gige Konferenz mit dem Titel Globaler Gas-Lock-in: Widerstand in Nord und S\u00fcd vernetzen aus. 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