Aufsuchungserlaubnis Prezelle verlängert

Anwohner sind empört

Unverschämt: Wir müssen Treibhausgase vermeiden, und hier sollen klimaschädliches Gas und Öl aus der Tiefe geholt werden“
„Denen geht es nur um Profite – die Zukunft der Erde ist schiet egal“
„Dauernd wird beim Bohren ölverseuchtes Giftwasser freigesetzt – bei uns haben sie keine Chance. Denn: Wir stellen uns quer“

Mit diesen Äußerungen haben Menschen aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg reagiert, als sie von der Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis zur Suche nach Erdöl und Erdgas für das Feld Prezelle erfahren haben. Ende des Jahres wäre diese Erlaubnis ausgelaufen, wann und auf welcher rechtlichen Grundlage eine Verlängerung erteilt wurde, ist bislang öffentlich nicht ersichtlich. „Das soll wohl in Zeiten der Klimabewegung unter dem Deckel gehalten werden“, so ein Sprecher der Arbeitsgruppe Erdöl-Erdgas-Fracking der Bürgerinitiative.

Nun werden für Anfang des Jahres Veranstaltungen vorbereitet, um Bevölkerung und Betroffene erneut über die Auswirkungen dieser Eingriffe in Natur und Umwelt zu informieren – auch in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Saubere Umwelt & Energie Altmark. Im Nachbarlandkreis Salzwedel/Sachsen-Anhalt wurde rund um den Arendsee, der „Perle der Altmark“, ein 172 Quadratkilometer großes Gebiet, direkt südlich an das Erlaubnisfeld Prezelle angrenzend, für die Erkundung freigegeben. „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, Erfahrungen aus dem Widerstand gegen Atomanlagen werden Eltern, Kinder und Enkel bei Protesten einzusetzen wissen. Als im Sommer 2018 bekannt wurde, das nordöstlich der Ortslage Schletau eine Explorationsbohrung in Vorbereitung sei, erklärten alle Schletauer Grundstückseigentümer, sie würden keine Flächen und Wege für Erkundung und Förderung zur Verfügung stellen. Damit wurde die Explorationsfirma Geo Exploration Technolien (GET) ausgebremst. Kirsten Longmuss aus Schletau erklärt: „Seit Ewigkeiten besteht in unserer Familie der Grundsatz, kein Land zu verseuchen. Die negativen Erfahrungen mit der Erdöl- und der Erdgasförderung in Niedersachsen und der Altmark zeigen deutlich, das häufig Grundwasser, Boden, Luft und Gebäude geschädigt werden. Erdöl und Erdgas sind ein Auslaufmodell. Das Ausbau der erneuerbaren Energien muss viel schneller voran gehen.“

Hintergrund:

Vor fünf Jahren wurde vom niedersächsichen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologieamt (LBEG) die Aufsuchungserlaubnis Prezelle für die Suche nach Kohlenwasserstoffe erteilt. Diese betrifft die Samtgemeinde Gartow mit ihren Gemeinden sowie die Gemeinden Lemgow, Trebel und Woltersdorf in der Samtgemeinde Lüchow/Wendland (Landkreis Lüchow-Dannenberg), welche bis zum Jahresende 2019 befristet war. Vom LBEG wurde vor kurzem die Erlaubnis um drei Jahre verlängert bis Ende 2022, siehe hier https://nibis.lbeg.de/cardomap3/?permalink=UFrZJTp

Bereits damals widersprachen viele Bürger aus der Region den Plänen des Erlaubnis-Inhabers, der Firma „Geo Exploration Technologises (GET)“ aus Mainz, dort nach Erdöl und Erdgas zu suchen. Alle Gemeinden der Samtgemeinde Gartow und die Gemeinde Lemgow haben per Ratbeschluss bekannt gemacht, dass sie das Vorhaben ablehnen und keine Sondernutzungserlaubnisse für gemeindeeigene Strassen zur Verfügung stellen werden.

Nun hat das LBEG die Aufsuchungserlaubnis, welche eine Fläche von 160 Quadratkilometer umfasst, für weitere drei Jahre verlängert. Bislang ist die Öffentlichkeit über diese Verlängerung nicht informiert worden. Gleichzeitig ist im November bekannt geworden, dass das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LABG) Sachsen-Anhalt der gleichen Firma eine Aufsuchungserlaubnis für das direkt an „Prezelle“ angrenzende Gebiet um den Arendsee in der Altmark erteilt hat (Erlaubnisfeld „Thielbeer“).

In einem Schreiben des niedersächsischen LBEG an die Arbeitsgruppe Erdöl-Erdgas-Fracking der Bürgerinitiative hat das Amt im September letzten Jahres erklärt, es habe keine „überwiegende öffentliche Interessen“ gefunden, die eine Erlaubnis für das Feld ausschließen würden. Auch sei die „finanzielle oder technische Leistungsfähigkeit“ und die Zuverlässigkeit des Erlaubnisinhabers geprüft worden.

Ob diese Tatsachen erneut für die Verlängerung geprüft worden sind, ist bisher nicht ersichtlich. Auf den Seiten mit Hintergrundinformationen über das Erlaubnisfeld Prezelle ist nur Erstbescheid vom 26. 11. 2013 zu finden. Bereits damals hat die GET als GmbH nur über ein Gesellschaftskapital von 25.000 € verfügt. Wie sich die finanzielle Situation heute darstellt, ist vom LBEG bislang nicht nachvollziehbar erklärt worden. Aus den Bilanzen der GET, veröffentlicht im Bundesanzeiger, ergibt sich jedenfalls, dass die Gesellschaft längst überschuldet ist.

Protest-Transparent in Schletau
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.